Hollywoods Auseinandersetzung mit den Tücken des amerikanischen Gesundheitssystems in John Q. - Verzweifelte Wut

Ein besonderer Kunstgriff den jeder erfahrene Hollywood Regisseur beherrschen sollte ist es soziale Missstände und Ungerechtigkeiten auf höchst packende und unterhaltsame Weise in einem Film zu verschachteln, sodass der interessierte Zuschauer die Fehler im amerikanischen System auf mitfiebernde Weise im Kino erleben darf.
Regisseur Nick Cassavetes ist mit seiner Inszenierung von John Q dieses Vorhaben auf temporeiche und dramatische Weise gelungen, wenn er einen verzweifelten Familienvater, der die nötigen Mittel für eine notwendige Herztransplantation für seinen geliebten Sohn nicht aufbringen kann und somit bis zum äußersten bereit ist, durch die Hölle gehen lässt. Von einem Familienvater wandelt sich dieser rechtschaffene Bürger zu einem besessenen Geiselnehmer der das Leben seines Sohnes über das Leben seiner amerikanischen Mitbürger stellt und am Ende sogar selber bereit wäre für seinen Sohn zu sterben. Vom Zuschauer wird John Q , pathetisch gespielt von Denzel Washington, jedoch nicht als dieser besessene Geiselnehmer empfunden, da es dem Film gelingt, dass man sich als Zuschauer selber auf die Seite des ausweglos agierenden Familievaters stellt und somit die moralischen Grenzen zwischen Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit verblassen.
Dieser melodramatische und aktionsreiche Konflikt den John Q durch eine Geiselnahme in einer Krankenstation in gang setzt, hätte vermieden werden können, wenn er doch nur daran gedacht hätte für seine Familie private Krankenversicherungen abzuschließen. Da John Q lediglich über eine unzureichende Krankenversicherung verfügt muss er die Kosten für die Herztransplantation seines Sohnes selber tragen und als Fabrikarbeiter ist dies nicht zu realisieren.
Wer in den USA keine private Krankenversicherung hat oder noch schlimmer über überhaupt keine Krankenversicherung verfügt, der ist, wenn er vor einer gesundheitlichen Katastrophe steht so gut wie zum Tode verurteilt. Dieser Kritikpunkt ist nicht nur eine Kritik des amerikanischen Gesundheitssystems, sondern entlarvt zugleich den Umstand das die USA nun mal kein Sozialstaat sind und somit der einzelne Mensch in der Unmenschlichkeit dieses Systems zwangsläufig untergehen muss, wenn er nicht zu gesetzeswidrigen Maßnahmen bereit ist, wie John Q.
Der Film hat eine grundlegende Message: Nämlich das durch die Unzulänglichkeiten im amerikanischen Gesundheitssystem und die übertriebene Bürokratie Opfer gefordert werden, dass jedoch dieser Opfer selber wieder zu Tätern werden und somit zwangsläufig ein moralisches Ungleichgewicht entstehen muss. D.h. John Q. ist nicht nur ein Verbrecher sondern zugleich auch ein rechtschaffener Mann.
Bereits Michael Moore hat in seiner preisgekrönten Dokumentation Sicko auf die in John Q aufgezeigten Missstände hingewiesen und die amerikanischen Krankenversicherungen als profitgierige Megalomanen zur Schau gestellt.